Mit dem „Dettinger Te Deum“ von Georg Friedrich Händel und dem „Magnificat“ von John Rutter hat die Winnender Kantorei in ihren Weihnachtskonzerten am Wochenende einen ungewöhnlichen Programmschwerpunkt gesetzt. Lobgesang aus alter und neuer Zeit war in den voll besetzten Kirchenbänken der Schlosskirche an zwei Abenden zu hören. Einander gegenübergestellt wurden ein
Meisterwerk von Händel in englischer Sprache aus dem Jahr 1743 und ein Meisterwerk von Rutter in lateinischer und englischer Sprache aus dem Jahr 1990. Kirchenmusikdirektor Gerhard Paulus dirigierte die festlichen Hymnen „Dich Gott loben wir“ und „Meine Seele preiset den Herrn“ mit in Teilen fünf- und sechsstimmigen Chorpartien ruhig, mit sicherer Hand und großer Zugewandtheit. Hans-Dieter Baumgärtner berichtet.

Herrlich jubelnd und in markanten Kontrasten tönte die Musik in Händels Te Deum, denn die Dankbarkeit der Sieger nach dem Gefecht bei Dettingen wurde in Händels Text und Noten zum Lob Gottes: „We praise the Lord“. Zur klanglichen Prachtentfaltung des Te Deums trugen wesentlich die Streicher des Collegium Musicum sowie insbesondere die Bläsersolisten bei. Mit professioneller Dynamik wurde der Chor in wichtigen Partien ausgeglichen begleitet, aber mit Pauken und Trompeten wurde auch im festlichen Tutti musiziert. Holz- und Blechbläser, Streicher und alle Stimmen des Chors trugen engverwoben im Forte wie im Piano die Botschaft des Lobgesangs ergreifend in den ganzen Kirchenraum. Wunderbare Passagen, wenn die Männerstimmen kräftig über hellen Streicherklängen intonieren, wenn sich die Stimmen des Chores fugenartig Einwürfe zurufen, wenn das Orchester im kammermusikalischen Duktus mit den hervorragenden Solistinnen und Solisten präzise musiziert und schließlich Trompeten und Solo-Bass einander kunstvoll und doch unbeschwert begegnen. Im langen Moment der andächtigen Stille vor dem Applaus schien Ehrfurcht auf, vielleicht wie damals in der‚ Schlosskirche‘ des englischen Königs vor über 250 Jahren.

Textliche und musikalische Motive brillant verarbeitet

Und dann Musik aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Welt. Rhythmisch effektvoll entführte und verführte John Rutter schon in den ersten Tönen seine Zuhörerschaft. Sein Magnificat gefällt, aber nicht weil es gefällig ist, sondern weil textliche und musikalische Motive brillant verarbeitet sind. Anspruchsvoll und farbenfroh-lebendig instrumentiert, ja gar fröhlich war dieses vorweihnachtliche Dankgebet der Maria, in dem besonders das Schlagwerk sich ausgezeichnet entfalten durfte. Durch die Flexibilität in der gesanglichen Gestaltung konnte der Chor der kompositorischen Vielfalt des Werkes unter der Leitung von Gerhard Paulus in überzeugender Weise gerecht werden. Die konzentrierten Sängerinnen und Sänger, folgten ihrem Dirigenten im akustisch herausfordernden Chorraum aufmerksam. Wunderbare Passagen, wenn der Chor vor dem hohen Gesprenge des Altars sicher und eindrucksvoll zu hören ist, wenn sich die herrliche Stimme der Sopranistin mit den Klängen der Harfe im innigen Dialog zauberhaft
verbindet und wenn im abschließenden prägnanten „Gloria“ Chor und Orchester den Kirchenraum erneut mit voller Präsenz erfüllen.

Der feierliche Rahmen vor dem Altar in der Schlosskirche, ein großer und stimmmächtiger Chor, ein festlich besetztes Orchester und wunderbare Solistinnen und Solisten, all das zog die Zuhörer in den Bann. Keine ehrfurchtsvolle Stille nach dem furiosen Finale, sondern fröhliches Lachen und Applaus mit erhobenen Händen – Dank für eine Musik zum Lob Gottes und zur großen Freude der Menschen.